Über Schmerz, Lust und Fetischismus in ausgewählten „extremen“ populären Musikformen
Wie hängen Schmerz, sexuelle Lust und Fetischismus und extreme, transgressive Musik zusammen? Künstler*innen aus den Bereichen der (Harsh) Noise Music und Power Electronics nutzen auffallend oft ästhetische Mittel, die sich dem Schmerz und sexuellem Begehren bedienen. Zudem ist diese Musik unzugänglich, transgressiv und könnte durchaus als „schmerzhaft“ bezeichnet werden. Sie setzt einerseits auf eine starke körperliche Erfahrung, andererseits aber auch auf einen maschinenhaften, entmenschlichenden Aspekt. Diese Dissertation untersucht die Frage, wie diese Musikformen durch ihre spezifische Klangästhetik, ihre Produktionsweisen (sowohl im Studio als auch bei Live-Performances) und ihre visuelle und textuelle Inszenierung Erfahrungsräume hervorbringen, in denen Schmerz, Erotik und Fetischismus nicht lediglich dargestellte Themen sind, sondern auch als ästhetische und affektive Praktiken wirksam werden.
Ausgehend von einem Korpus, der zwar zunächst aus Noise Music und Power Electronics (mit Künstler*innen wie Merzbow, Whitehouse oder Aaron Dilloway) besteht, aber auch noch erweitert und kontrastiert werden kann, verbindet diese Arbeit musikwissenschaftliche Klanganalysen unter anderem mit Ansätzen der Psychoanalyse (Freud, Lacan), ihrem Gegenentwurf, der Schizoanalyse (Deleuze/Guattari) und der Affekttheorie. Dabei werden unter anderem die Materialität und Körperlichkeit der erzeugten extremen Klänge, der Einsatz von Verzerrung und Feedback, sowie das Verhältnis von Produktion, Medialität und psychischer sowie körperlich-affektiver Erfahrung untersucht. Die Dissertation will so die Frage beantworten, wie Lust, (lustvoller) Schmerz, Fetischismus und die körperliche Erfahrung dieser Phänomene mit dem transgressiven, die Hörkonventionen herausfordernden Klangbild jener Musik in Zusammenhang stehen.
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