Die Fluidität der Stimme. Queere Vokalität in der populären Musik, 1918-1939
Wie verändert sich das Verständnis von Queerness, wenn man Queerness durch Klang versteht? In diesem Rahmen formuliert die Dissertation eine klangliche Theorie queerer Vokalität, die sich auf die Fluidität der Stimme als zentrales Konzept stützt. Einschlägige Publikationen zeigen beispielsweise, dass Stimmen kulturell codiert und normativ gerahmt sind. Obwohl diese Arbeiten die Stimme bereits in ihren kulturellen Kontexten erfassen, bleiben sie überwiegend gegenwartsorientiert und lokal begrenzt. An dieses Desiderat knüpft das Dissertationsprojekt an und erforscht die klangliche Dimension der Stimme historisch und global in Verbindung mit queerer Theorie. Es wird untersucht, wie queere Vokalität in der populären Musik von 1918 bis 1939 global in Erscheinung tritt. Klanganalytisch fokussiert sich die Arbeit auf Timbre, Pitch und Dynamik als Formen stimmlicher Modulation. Klangaufnahmen von Jimmie Daniels (New York), Claire Waldoff (Berlin) und Umm Kulthūm (Kairo) bilden exemplarische Fallbeispiele. Allen drei Fallbeispielen können Stimmtechniken zugeordnet werden, die fixierte Vorstellungen von Gender und sexueller Identität in Frage stellen, unabhängig davon, ob die Künstler*innen selbst als queer identifiziert wurden. Wie die Dissertation zeigen wird, waren die Standorte New York, Berlin und Kairo Teil einer Klangbewegung, die durch die Schallplatte hörbar wurde und durch globale Labelökonomien geprägt war.
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