Neue Musik in Japan im frühen 20. Jahrhundert. Alternative Modernen in deutsch-japanischen Verflechtungen
Dieses Dissertationsprojekt untersucht die verschiedenen Ausprägungen der musikalischen Modernisierung im Japan der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. „Modernisierung“ bezeichnet dabei die Entfaltung fachlicher Kenntnisse, Deutungen und kompositorischer Praxis westlicher Kunstmusik in Japan. Analysiert werden Beispiele kultureller Übersetzung westlicher Kunstmusik – insbesondere aus dem deutschsprachigen Raum – nach Japan. Auf dieser Grundlage wird die spezifische Ausprägung einer „anderen Moderne“ (alternative Modernen) herausgearbeitet, die sich im Kontext der von den beiden Weltkriegen geprägten Umbruchszeit formierte.
Die Studie untersucht, wie die vor und nach dem Ersten Weltkrieg im deutschsprachigen Raum aufkommende Neue Musik (insbesondere Arnold Schönberg und Paul Hindemith) und ihre ästhetischen Konzepte in das zeitgenössische Japan vermittelt sowie von japanischen musikalischen Intellektuellen gedeutet und bewertet wurden. Untersucht werden drei miteinander verbundene Bereiche: (1) musikbezogene Artikel in japanischen Fachzeitschriften, (2) Studienaufenthalte japanischer musikalischer Intellektueller in Deutschland sowie (3) Konzertpraktiken innerhalb Japans.
Methodisch basiert die Studie auf dem Ansatz der „entangled histories“ innerhalb der Global Music History und zielt darauf ab, die Infrastrukturen musikalischen Fachwissens zwischen Japan und Deutschland zu rekonstruieren. Darüber hinaus untersucht sie die Übertragung von Musik in nicht-westliche Kontexte und die dabei entstehenden eigenständigen Strategien. Auf diese Weise soll die historische Bedeutung einer „anderen“ bzw. „vergessenen Moderne“ sichtbar gemacht werden, die im Sinne alternativer Modernen in herkömmlichen musikgeschichtlichen Narrativen bislang marginalisiert wurde.
Kontakt: s58ychib@uni-bonn.de