East Asia and Germany in the Twentieth-Century
A history of music from the empires to late modern globalized music culture.
Das Ziel dieses bilateralen Projektes ist es, eine kohärente und umfassende Musikgeschichte Ostasiens und Deutschlands für das gesamte 20. Jahrhundert vorzulegen – ein historiografisches Unterfangen, das in diesem Umfang bislang nicht realisiert wurde. Deutschland steht pars pro toto für die Musikkultur der deutschsprachigen Länder; Ostasien umfasst Taiwan, China, Japan und Korea. Anstatt die ‚deutsche Musik‘ zum Zentrum der Erzählung zu machen, begreift das Projekt Deutschland als Medium zum Verständnis globaler musikhistorischer Verflechtungen. Dahinter steht die Überlegung, dass Musikgeschichte sich nicht durch ein Ignorieren ihrer einstigen Gravitationszentren dezentralisieren lässt, sondern nur, indem man gerade deren Geschichte neu und anders erzählt. Die Wahl Taiwans als Kooperationspartner hängt damit zusammen, denn Taiwans Musikkultur ist von besonders komplexen Verflechtungen innerhalb regionaler und globaler Machtasymmetrien gekennzeichnet.
Mit einer ausgewogenen Zusammensetzung der Arbeitsgruppe, die etwa die gleiche Zahl von Kollegen aus Ostasien und Deutschland umfasst, zwei Projektstandorten in Bonn und Taipei und kooperierenden Institutionen in Japan (Tokio) und Korea (Jeonju) ist das Projekt speziell darauf ausgerichtet, eine Vielzahl von Perspektiven mit unterschiedlichem (fach)kulturellen Hintergrund zu erlauben und einzubinden.
Die „Geschichte“ zielt auf einen umfassenden historischen Überblick, der die bestehende Vielfalt der Perspektiven abbildet; die „Chronik“ dient sowohl als heuristisches Werkzeug als auch als geteilte Evidenzbasis, auf der die Perspektiven konvergieren. Die zugrundeliegende Methodik und ihre Konkretion betrachten wie als die entscheidende Innovation auf der Theorieebene. Digitale Methoden sind für das Projekt mehr als nur eine Technologie zur Datenverwaltung und -visualisierung. Sie erlauben es, eine Vielzahl von Elementen auf historischer Makro-, Meso- und Mikroebene auf neuartige, nichtkontingente Weise zu organisieren und so musikhistorisches Wissen zu generieren.
Das Projekt hat seinen Ursprung in einer Anschubförderung aus dem Global Cooperation Fund der Universität Bonn.
Ansprechpartner: Tobias Janz